Herrenberg: Anspruchsvolles Adventskonzert des Akkordeonorchesters in der Stiftskirche
Sinfonisch und besinnlich-melodiös
Das Herrenberger Akkordeonorchester präsentierte sich in voller Fahrtrichtung des Publikumsgeschmacks und seiner musikalischen Bedürfnisse um die Adventszeit. Ohne sich jedoch verbiegen zu müssen, denn: "Die Musiker müssen auch Spaß an dem haben, was sie spielen", weiß Dirigent Dieter Dörrenbächer. Man wagte sich mit Tschaikowsky bis ans Ende des 19. Jahrhunderts vor.
Sicherlich liegt eine Stärke des Adventskonzertes des Herrenberger Akkordeonorchesters darin, sich sowohl einfühlsam in die Klangwelten der präsentierten Komponisten und ihrer Werke einzuspielen, als auch den emotionalen Bedürfnissen des Publikums in Bezug auf die Adventszeit gerecht zu werden. Besinnlich Schönes sowie sinnlich Melodiöses mit einer Prise Leidenschaft.
Wie flackernde Kerze
Wie im Falle des Akkordeonensembles unter Leitung von Waltraud Epple. Johann Sebastian Bachs "Wachet auf, ruft uns die Stimme" aus der Kantate BWV 140 gleicht ob seines "Cantus firmus" dem fragilen sowie sakralen Flackern der angezündeten Kerzen auf dem Kirchenaltar. Solistin Christina Felder öffnet mit Alois Leenders "Adios" die Pandorabox moderner Leidenschaft. Ein leicht düster trunkenes Timbre. Emphase sowie Erschöpfung durch unterschiedliche Tempi. Ein letzter Kuss, der geschehen möchte und doch nicht geschieht - das Ende einer stürmischen Affäre heißt wohl immer Tango.
Das Jugendorchester konzertiert mit dem Adagietto von Jacob de Haan einen modernen Mix aus Barock und Spätromantik. Dieses charakterisiert eine melodiöse Gebundenheit und kommt einer Art postmoderner Elegie nahe. Leopold Mozarts Menuett und Presto aus der Kindersinfonie schlägt neckische Kapriolen und bekommt durch den Einsatz von Flöten, welche das Kuckucksmotiv spielerisch intonieren, zusätzlichen farblichen Reiz.
Solist Alexander Cargnelli konzertiert einen postmodernen Überraschungscoup - Franck Angelis "Romance". Er führt erst einmal auf die musikalische Fährte harmonisch-heller Sehnsucht, die mitunter doch in eine klanglich dunkle-wilde Höllenfahrt hineingespielt wird, um gebrochen zu werden.
Das erste Orchester setzt zuerst auf Mozarts Ouvertüre zur Oper Titus, um sich dann Tschaikowskys Nussknacker zu widmen. Im Marche stehen sich Mäuseheer und Armee des Nussknackers gegenüber. Der Blumenwalzer versprüht ganz dunkel-helle Süße - die Belle Epoque.
Dörrenbächer hat gut gewählt, denn die Spitalkirche ist eher geeignet für Kammermusik, so darf es in der Stiftskirche auch schon mal sinfonischer werden. Einzige Herausforderung: "In der Stiftskirche muss exakter gespielt werden. Sie erzeugt mehr Nachhall."
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